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Tag 4 – von Hamm nach Ell (Niederlande)

Gerade hat es noch geregnet. Es ist 5:40 Uhr und ich bin vor meinem Wecker wach. Und zugegeben, ist meine Laune heute so gut wie das Wetter: grau und matschig. Gibt es diesen Sommer eigentlich mal einen relativ normalen Zustand? Erst wirst du frittiert und dann direkt abgeschreckt. Natürlich mit Wasser – soll ja nicht so kross werden. 
Na gut. Dann mal los. Ich mache mich fertig und packe alles zusammen. Um 7:15 Uhr schleppe ich Wilma das schmale Treppenhaus hinunter und wir starten.


Ich habe schon versucht, mich seelisch und moralisch auf den heutigen Tag einzustellen. Aber Gegenwind auf 180 km ist halt auch so eine Sache. Ich hoffe einfach, dass es nicht so schlimm wird. Die Routenplanung sagt 410 Höhenmeter – da wird der Gegenwind zu verkraften sein.

Okay. Er ist garstig! Und es ist immer noch grau und nieselig. Meine Motivation scheint heute auch irgendwo anders unterwegs sein. Weder der „Goodie“-Einkauf noch Musik bringen heute was. Die Straßen sind teilweise so schlecht, dass ich mir Viktor (mein Gravel-Rad) herwünsche und hoffe, dass Wilma keine Gehirnerschütterung bekommt. Auch landschaftlich kann ich heute keine Punkte vergeben. Viel zu viele Kilometer auf stark befahrenen Straßen, inklusive Autofahrenden, die nicht wissen, was mindestens ein Meter Abstand ist. 
Was? Eine Handbreit bei 100 km/h … Passt!


Manchmal habe ich ja noch den Ehrgeiz – oder nennen wir es Elan – in den Gegenwind zu pushen. Heute knall ich mir einfach nur den kleinen Gang rein und leier vor mich hin. Grandios! Alle 20 km mache ich Minipausen. Mir dröhnt der Kopf und die Augen brennen. Eine transparente Radbrille … das wär’s jetzt. Aber ja, da war ich wohl zu optimistisch mit dem Sommer. Die Kilometer sind wieder wie angestemmt – dabei dachte ich, gestern war das schon schlimm. Dazu kommt jetzt noch, dass ich mir an einer ganz ungünstigen Stelle etwas aufgerieben habe. Keinen Zentimeter groß, aber halleluja.

Schon mal Desinfektion auf eine offene Wunde gesprüht? Ja? Und genau dieses Gefühl bei jedem Positionswechsel auf dem Sattel. Und was soll eigentlich dieses ganze rauf-gefahre mit ein bis drei Prozent? Ich dachte, heute ist es flach.


Es gibt so Tage, die sind einfach nicht zu retten. Also kämpfe ich mich durch. Endlich taucht das Schild „Niederlande“ auf. Was allerdings nicht bedeutet, dass der Wind aufhört. Der zeigt jetzt noch mal richtig, was er kann. Immerhin gibt es jetzt Radwege neben den Landstraßen und der Regen regnet um mich herum. Doch noch ein bisschen Glück gehabt. Man soll sich ja über die kleinen Dinge freuen. Und so freue ich mich, dass ich nach 179,8 km mit 1.072 Höhenmetern endlich in Ell ankomme.

Jetzt noch eine Frage an Komoot … Was war das bitte?


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