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Tag 3: Von Ebergötzen nach Hamm
5 Uhr – der Wecker klingelt. Heute hätte ich auch länger schlafen können, aber der Tag wird lang. (Wie lang er wirklich wird, weiß ich zum Glück noch nicht.) 189 km stehen heute auf dem Plan, mit ca. 1500 Höhenmetern die längste Tour der Reise.
Da es hier im Ort auch keinen Bäcker gibt, wird es heute erstmal ein Nüchtern-Training. Ich hole Wilma aus ihrer Garage, wo sie gut mit einer alten Harley zusammen geschlummert hat. Kurz nach sechs sind wir auf dem Weg zum Frühstücken. 15 km sind es bis in den nächsten Ort, davon neun bergauf. Schön!
Das Wetter leider nicht so. Es hat die ganze Nacht geregnet und es ist warm, schwül, aber auch irgendwie kalt. Der Bäcker kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Frisch gestärkt geht es jetzt so richtig los – oder auch nicht. Das Wetter macht mir ganz schön zu schaffen. Leichte Kopfschmerzen, bisschen Kreislauf, und meine Herzfrequenz kennt heute nur Hop oder Top. Dazu gesellt sich langsam auch noch Übelkeit. Auch der zweite Stopp bei Netto ändert nichts. Ich überlege mir schon, wo ich mit dem Zug fahren kann. Erstmal langsam, sehr langsam weiter. Das Brötchen und das Notfall-Snickers packe ich mir für später ein – essen kann ich jetzt nichts.
Es geht doch eigentlich immer nur hoch, ein bisschen runter, und dann wieder hoch. Ich fahre in warme Nebelfelder und bin eigentlich die ganze Zeit klitschnass. Dann kommt endlich eine schöne lange Abfahrt. Toll - Jetzt friere ich...
Nein, aber ehrlich: Die Strecke ist wirklich schön und ganz langsam geht es mir auch etwas besser. Als ich an der Fähre warten muss, um nach Wehrden überzusetzen, kommen die Lebensgeister zurück. Brötchen und Snickers werden vernichtet. Wird ja auch mal Zeit – nach 65 km.
Die Hälfte der Höhenmeter ist hier auch schon im Kasten. Schön ist es hier im Weserbergland. Aber auch ganz schön anstrengend. Penibel habe ich gerade diese Route geplant und geschaut, dass es nicht zu steile Anstiege gibt. Aber wo mich Komoot hier hochschickt, stand da vorher nicht. Da werden mal schnell aus 2 km Anstieg 4. Oder aus 10% Steigung - 23. Und das lassen wir jetzt hier auch einfach mal so im Raum stehen.
Den ganzen Tag über schwirren dunkle Regenwolken umher, aber bis jetzt habe ich es gut umfahren. Bis... jetzt... Ich schaffe es gerade noch so in meine Regenklamotten, da prasselt es auch schon los. Mit vollem Programm natürlich: Donner, Blitze, Sturm. Alles.
Zum Glück rettet mich 10 Minuten später ein Lidl. Hier verbringe ich fast zwei Stunden. Checke das Regenradar und wo es zum Zug geht. Aber irgendwann wird es weniger und hört sogar auf. Wäre auch schade gewesen – jetzt wo so gut wie alle Höhenmeter durch sind und ich nur noch knapp 70 flache km zum Ziel habe. Also weiter geht's – jetzt kommt sogar die Sonne noch raus. Die Strecke ist jetzt wirklich fast flach-flach und ich düse über gut asphaltierte Nebenstraßen. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten!
Oh. Schwarze Wolken... Nur noch 10 km – das werde ich schon schaffen. Ich rase dem Ziel entgegen und werde genau 900 m davor komplett eingeweicht.
Und hiermit ziehen wir einen Strich unter diesen Tag. Komplett waren es 189,5 km mit knapp 1900 Höhenmetern. 12 Stunden war ich unterwegs, reine Fahrzeit 8,5 Stunden. Ciao.

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