TWO of 10

Tag 2 – Von Leipzig nach Ebergötzen

Die Nacht war mehr schlecht als recht. Warum, weiß ich auch nicht genau – ich bin einfach nicht zur Ruhe gekommen und war schon wieder vor dem Wecker wach. Also, was soll's...

Aufstehen, fertig machen – und um 7 Uhr rolle ich mit Wilma wieder los.

Leipzig ist ruhig. Es ist Sonntag und anscheinend schlafen alle noch. Es geht in Richtung Halle (Saale), dort quere ich die Saale und fahre ein Stück auf dem Goethe-Radweg. Kann ich nicht so empfehlen – und warum der Goethe-Radweg überhaupt so heißt, ist mir ein Rätsel. Ein Gedicht ist er jedenfalls nicht, und der Straßenbelag allenfalls „historisch“.

Obwohl es nur leicht wellig ist, scheint die Kilometeranzeige heute stillzustehen. Anscheinend habe ich ein Händchen, wenn es um Gegenwind geht. Gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass dieser mich die nächsten 185 Kilometer begleiten wird.

Es gibt Menschen, die würden sagen: „Das ist zach heut!“ – und besser kann ich es nicht beschreiben.

Am Morgen war es noch angenehm frisch, mittlerweile ist davon nichts mehr übrig. Wir bewegen uns auf die 32-Grad-Marke zu, und der Gegenwind fühlt sich langsam an wie eine Heißluftfritteuse.

Auch das Tankstellennetz in Deutschland lässt sonntags sehr zu wünschen übrig – es haben mehr geschlossen als offen. Aber der kleine Ort Röblingen am See, der kann was. Nicht nur, dass mich dort ein Trinkwasserbrunnen rettet – hier gibt es auch eine sprechende Mülltonne. (Wirklich!)

Das Profil hat jetzt immer wieder kleine, gemeine Anstiege dabei. Und bei der Hitze fühlt sich Wilma doppelt so schwer an.

Ab Sangerhausen geht es dann immer stetig mit 2 % Steigung bei feinsten Gegenwind in der prallen Sonne durch den Südharz. Könnte schön sein – aber heute ist es einfach nur anstrengend.

Nachdem ich dann noch 20 km auf einer stark befahrenen Landstraße verbringen darf, muss ich erstmal kurz anhalten und schreien. Im gleichen Moment hinterfrage ich ernsthaft meine Routenplanungs-Skills. Außerdem habe ich Hunger. Die letzte Tankstelle, die eigentlich geöffnet haben sollte, hatte mal wieder zu.

Dann eben erstmal ein Müsliriegel – wird schon gleich was kommen.
Und ja! Ein paar Kilometer weiter rettet mich das Restaurant zur goldenen Möwe.

Ein bisschen besänftigt mache ich mich auf den Weg zum letzten Streich: „Nur“ noch 45 Kilometer. Allerdings auch noch knapp 400 Höhenmeter. Wird schon, dachte sie – und schob 20 km weiter den Anstieg hinauf.

Bei 14 % Steigung mit Gepäck war für mich Schluss! Bevor die Knie durchdrehen, schiebe ich lieber. Ja, da muss man auch mal vernünftig sein und den Stolz vergessen – die 2,5 km waren auch mit Schieben scheiße.

Dafür gibt es jetzt eine schöne, lange Abfahrt nach Ebergötzen zur Pension, wo ich von einem älteren Herrn empfangen werde, der nicht so recht verstehen kann, wie man freiwillig so weit mit dem Rad fährt.

Zu meinem Pech hat das einzige Restaurant im Ort heute geschlossen – und wie sollte es anders sein: die Tankstelle auch. Das Abendbrot fällt heute also leider mau aus.
Ein Brötchen und ein paar Riegel müssen reichen.

Der Bäcker öffnet zum Glück morgen um 6 Uhr – dann geht es weiter nach Hamm. Hoffentlich wird das Wetter nicht so schlimm wie angekündigt. Regen und Gegenwind sind nicht gerade meine liebste Kombination...

Ach ja – und eine Frage habe ich noch:

Warum verläuft die Landstraße eigentlich immer schön eben, während der Weg daneben ständig hoch, runter, hoch, runter geht – wie bei einer Berg- und Talbahn? Wer hat sich das ausgedacht?!

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