TAG 2 Gravel-Bikepacking nach Danzig

Tag 2: Von Gubin nach Gliśno – 96 km und 571 Höhenmeter

Erstmal schön bei Lidl frühstücken. Unter dem Vordach – denn es fängt schon wieder an zu regnen. Meine Sachen waren gerade erst trocken … naja, bis auf meinen Schuh. Und das geht noch mal raus an den T4-Dachzelt-Dude: Mögen dir jedes Mal beim Händewaschen die Ärmel runterrutschen!

Die Wettervorhersage für heute ist mal wieder bombastisch: Regen und in der Spitze ein kleines Unwetter. Schauen wir mal, was das wird. Nach ein paar Kilometern verlasse ich die Stadt und es geht direkt in den Wald. Erst ein normaler Waldweg, der schnell recht sandig wird – und ich ahne schon, was heute auf mich zukommen wird. Zum Glück weiß ich es noch nicht, denn sonst hätte ich direkt keinen Bock mehr gehabt. Aber Zug fahren ist ja eh schwierig, also muss ich da durch.


Irgendwann wird der Weg breiter und zu einer richtig schönen Schotterstraße. Lieben wir! So könnte es ewig gehen … Leider hält die Freude nur 5 km, dann wird es wieder sandig. Und so bleibt es dann auch. Ich befinde mich direkt zwischen Gravel-Himmel und Gravel-Hölle – wobei ich rückwirkend betrachtet der Hölle mehr Gewicht geben würde.

Und so kämpfe ich vor mich hin. Irgendwann hört der Regen auf und ich habe seit Stunden niemanden in dieser Pampa gesehen. Aber schön ist es. Zumindest dann, wenn ich nicht gerade fluchend den Sandboden anbrülle. Als ich das nächste Mal einen Sandweg langfahre, der natürlich auch noch schön bergan geht, bleibe ich stecken, kann mich nicht mehr ausklicken und falle direkt in den Sandhaufen. Läuft! Immerhin tut es nicht weh.


Irgendwann lasse ich tatsächlich den Sand hinter mir und die Wege werden besser und schottriger. Aber ein bisschen freue ich mich auch, als ich endlich ein Stück Asphalt unter den Reifen habe. Jetzt kommt sogar noch die Sonne raus und es wird richtig warm. Hält allerdings auch nur kurz. Beim Einkaufsstopp in Suleçin – die letzte Möglichkeit, bevor wirklich nichts mehr kommt – komme ich aus dem Geschäft, und es regnet wieder. Gut, dass ich gerade erst alle Regenklamotten ausgezogen habe … Also ziehen wir sie wieder an. Es sind nur noch 10 km, wird schon nicht so schlimm werden. Ja ... ! 

5 km weiter finde ich mich auf dem schlimmsten Matschweg (der btw. als ganz normale Straße gekennzeichnet ist und Verkehrsschilder hat!) – im strömenden Regen, teils Hagel und mit Gewitter wieder.

Ob ich die letzten 5 km fast ausschließlich den Wald angebrüllt habe? Ob man mich gegebenenfalls auch die nächsten 5 km noch gehört hat? Ob mich mein Navi erstmal zu einer falschen Adresse geschickt hat und ich dann komplett voller Matsch und Sand endlich vor der richtigen Unterkunft stand? Ja!

Erstmal ist auch irgendwie niemand da. Ich klingel, ich rufe – nichts. Irgendwann klopfe ich an der Küche, wo eine ältere Dame arbeitet. Sie spricht kein Wort Deutsch oder Englisch, wirft mir aber sofort eine dicke Decke über. Nach Google Translate und einem Telefonat bekomme ich endlich mein Zimmer, eine heiße Dusche und ein gemütliches Bett.

Das reicht jetzt auch für heute.

Viktor habe ich mit meinen Wasserflaschen draußen ein bisschen abgespült. Jetzt chillt er erstmal im Bad vor sich hin.

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