Aur Gotland 1/3
Tag 1: Rund um Gotland
Nachdem ich in Karlskrona an der Fähre eingesammelt wurde, haben wir zwei Tage bei Stockholm verbracht. Eine erste Graveltour angetestet, in Stockholm viel gegessen – vor allem Zimtschnecken – und natürlich Kaffee getrunken.
Dann haben wir unsere Nieren für die Fähre nach Gotland verkauft und eine idyllische Nacht auf dem Hafenparkplatz verbracht. Heute ging es endlich los: Bikepacking einmal um Gotland. Naja, fast … Da wir den ursprünglichen Plan mit Zelten verwerfen mussten – es ist einfach gottlos kalt, teilweise nur zwei Grad in der Nacht – brauchten wir Unterkünfte. Und zwar welche, für die wir nicht noch mehr Organe verkaufen müssen. Deswegen wurde die Tour "Aur Gotland" etwas abgeändert: von 450 km auf 350 km gekürzt. "Aur" (ausgesprochen wie "Ohr") ist das gotländische Wort für Schotter oder Kies.
Aber Schluss mit dem Gerede – Packtaschen ans Rad und los!
Kurz vor 8 Uhr Start in Visby. Direkt nach der Stadt ging es mit Schotter los: erst fein, dann grob, dann gröber – aber alles in allem muss man sagen: Im Gegensatz zu Polen ein Traum. Landschaftlich sowieso wunderschön, vorausgesetzt man mag es, wenn das Navi sagt: „Nächste Abbiegung in 12 oder 15 km.“ Ich liebe das. Kleine Fischerdörfer, wunderschöne Küsten, und der Wind hält sich auch zurück. Zwischendrin ein paar Motivationshänger … eventuell auch Bock auf eine kalte Limo. Die gibt es aber erst 10 km vor dem Ziel, denn hier ist wirklich absolut nichts.
Schöner Schotter, bumpy Waldwege – und dann: eine Pfütze, eine tiefere Pfütze, eine noch tiefere riesige Pfütze … und schließlich Ende im Gelände. Der Weg ist ein See. Kein Durchkommen. Meine Überschuhe retten mir den Arsch, und ich komme halbwegs trocken durch die mittelgroßen Pfützen. Erik nicht so. Also: Umplanen, Rückzug. Wir nehmen 10 km Bundesstraße in Kauf, werden aber von höchstens zehn Autos überholt.
In Lärbro gibt es dann endlich die lang ersehnte Limo. Ehrlich – die war der Hammer. Trocadero. Muss man auf jeden Fall probieren. Noch besser, wenn man vorher eine Stunde auf dem Trockenen saß.
Nach 134 km ist es geschafft: Wir kommen in Slite an. Dort beziehen wir unser Cottage – und verkaufen gleich nochmal eine Niere, diesmal für ein Set Handtücher und Bettwäsche. 60 € für zwei Personen für eine Nacht. Nein, behalten dürfen wir die Sachen nicht, und ja, beziehen und abziehen müssen wir alles selbst. Fun Fact: Die Unterkunft selbst hat 50 € gekostet.
Lesson learned. Aber schön ist es – und vor allem warm.

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