Tag 4 Bikepacking von Dresden nach Rom
TAG 4 Bikepacking von Dresden nach Rom
Landshut -> Garmisch-Partenkirchen
Meine Fresse, war das kalt. Viel kälter als angesagt. Ich hatte komplett alles an, was ich mithatte — plus die Rettungsdecke und den Notfallschlafsack noch über meinem Schlafsack.
Um 5 Uhr war dann auch die Nacht vorbei. Wobei … eigentlich habe ich kaum geschlafen. Immer wenn ich gerade eingeschlafen war, wurde ich von „Alko-Alfred“ geweckt. Nein ehrlich, keine Ahnung, wie er wirklich hieß. Ein älterer Herr, der mit dem E-Bike bikepacken war. Eigentlich super lieb, aber er hat sich halt auch einfach am Abend eine Flasche Obstler und diverse Bier gegönnt. Und das ist schon mal eine Ansage.
Ich weiß nicht, was er zu diskutieren hatte — es war auf jeden Fall viel. Es brabbelte die ganze Zeit aus dem Nachbarzelt.
Als ich schon fast fertig mit Zusammenpacken war, ist dann auch Helena aus ihrem Zelt gefallen. Sie ist aus London und fährt nach Budapest. Auch ihre Nacht war kurz und eisig. Wir quatschen noch kurz, bevor ich mich dann kurz nach 7 Uhr auf den Weg mache.
Heute geht es theoretisch bis zum Fohnsee. Mein Zelt ist klitschnass, der Schlafsack auch und für heute Abend ist wieder Regen angesagt. Und eigentlich habe ich auch überhaupt gar keine Lust auf noch so eine eisige Nacht.
Hier weiß ich eigentlich schon, dass es definitiv noch eine Planänderung geben wird. Welche das sein wird, wird sich zeigen.
Jetzt geht es erstmal auf schönsten Schotterstraßen immer an der Isar entlang. Um die Uhrzeit ist auch niemand unterwegs, ich bin komplett allein. Mir ist immer noch ziemlich kalt, aber langsam wärmt die Sonne mich auf.
Ich muss dann erstmal einen Stopp einlegen, um mein Gepäck wieder festzuziehen, weil ich heute Morgen einfach richtig scheiße gepackt habe. Die Pause nutze ich, um noch mal das Wetter zu checken und es sieht gar nicht mal so gut aus. Heute Nacht muss definitiv ein Zimmer her. Ich muss erstmal alles trocknen und sollte auch am Sonntag bis zum Mittag in Innsbruck sein, bevor die Schlechtwetterfront kommt.
Okay. Also neuer Plan.
Ich fahre jetzt noch mit dem Rad bis München und nehme dann ein Stück den Zug bis Murnau und fahre von dort noch mal mit dem Rad bis Garmisch-Partenkirchen. Dort gibt es noch genug Unterkünfte und ich habe am Sonntag eine kürzere Etappe bis Innsbruck, falls es regnen sollte.
Und dann kam wieder der Punkt, an dem mein Kopf ein bisschen zu viel zu sagen hatte …
Zählt das jetzt eigentlich noch als „mit dem Rad bis Rom“, wenn ich zwischendurch den Zug nutze?
Sollte ich mich einfach ein bisschen zusammenreißen? Bin ich jetzt deswegen eine schlechtere Radfahrerin oder so? Weil ich Etappen verändere, abkürze, optimiere …?
Die letzten Touren habe ich doch auch trotz des Wetters durchgezogen …
Und während diese Gedanken so durch meinen Kopf schwirren, habe ich eigentlich auch schon eine Antwort gefunden.
Auch das mag ich am Radfahren: dass man einfach mal mit seinem Kopf sein kann und mit sich selbst diskutiert.
Und meine Antwort ist ganz klar:
Es ist meine Reise. Ich kann tun und lassen, was ich will. Ich mache das nicht als Profisport und es ist kein Rennen — es ist mein Urlaub. Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich weiß, dass ich vieles kann und schaffe, dass ich mich auch durchbeißen kann, wenn ich muss — ja. Aber ich muss nicht.
Ich habe diesmal nichts vorgebucht wie auf den Reisen vorher. Ich kann also spontan darauf reagieren, wie das Wetter ist und wie ich mich fühle. Und genauso ist es richtig.
Also düse ich nach München und springe noch wirklich kurz bei Rapha rein, um mir das letzte Clubhouse-T-Shirt zu kaufen, was mir noch fehlt. Jetzt bin ich bei allen Rapha Stores in Europa mit dem Rad gewesen. Und das finde ich schon ganz schön cool.
Die Dudes dort sind super nett und ich hätte gerne noch länger mit ihnen gequatscht, aber mein Zug fährt in 35 Minuten und ich brauche noch ein Ticket.
Zum Glück klappt alles und als ich im Zug sitze, plane ich meine weitere Route und suche mir ein Zimmer für die Nacht.
Aber der Tag wäre ja nicht meiner, wenn alles so reibungslos weitergelaufen wäre.
Ich steige in Murnau aus dem Zug und fahre ein Stück. Und wer hätte es gedacht: Das Gewitter und ich haben anscheinend ein gutes Timing. Ich schaffe es gerade noch so unter einen Unterstand, bevor alles losbricht.
Eine andere Frau hat dort auch Schutz gesucht und wir tauschen ein paar Geschichten aus, bis das Gewitter vorbeigezogen ist und jeder wieder in seine Richtung weiterfährt.
Vor mir sehe ich die Berge, die Sonne kommt wieder raus, ich bin klitschnass, Viktor auch — aber hey, der brauchte sowieso mal eine Wäsche.
Und es sieht wunderschön aus.
Ich freue mich jetzt auf eine heiße Dusche, meine Sachen zu trocknen und mich dann in ein kuschelig warmes Bett zu legen.
120 km / 445 hm

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