Tag 9 Bikepacking von Dresden nach Rom

TAG 9 Bikepacking von Dresden nach Rom
Quercia -> Pistoia

Die Nacht war mal wieder kalt. Nicht zu kalt wie in Landshut, aber kalt genug, um bescheiden geschlafen zu haben. Ich weiß nicht, ob ich und das Camping bei diesen Temperaturen noch mal Freunde werden. Vielleicht bin ich einfach zu sehr Warmduscher — ich schlafe einfach gern warm und cozy.
Aber ich weiß, dass heute Abend eine schöne warme Ferienwohnung auf mich wartet. Und sogar eine Waschmaschine. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist unterirdisch und das werde ich diesmal aussitzen. Durch die Etappe mit dem Zug habe ich genug Puffer bis zum Start vom Tuscany Trail.
Und wenn böse Stimmen jetzt sagen: „Hey, die fährt das ja gar nicht durch und zieht das mit dem Zelten auch nicht durch …“
Ist mir sowas von egal - Haters gonna hate.

So, und los geht der Spaß wieder — sprach sie und hatte nach genau 5 km wieder einen Platten …
Der Bösewicht war ein kleiner Dorn, gut getarnt unter Dreck.
Na gut. Dann noch einmal Schlauch raus, flicken und wieder rein.
Memo an mich: Die nächste Investition ist eine elektrische Pumpe.
Mit viel zu wenig Druck auf dem Vorderreifen geht es in den ersten Anstieg. Der ist schon gemein, aber ich werde mich den ganzen Tag noch zu ihm zurück sehnen. 
Mit bisschen Schotter, bisschen guter Asphalt, bisschen „nennen wir es mal, das war wohl irgendwann mal Asphalt“ geht es dann mit angezogener Bremse den Berg runter in ein kleines Dorf.
Und auf was steuere ich da zu?
Einen Fahrradladen.Jackpot! 
Eine richtige Pumpe geliehen und einen neuen Schlauch gekauft. Sicher ist sicher.
Man könnte meinen, ich habe mehr Glück als Verstand, denn es wird der einzige geöffnete Radladen auf meiner Strecke bleiben.
Ich fahre weiter und es geht immer weiter nach oben. Und weiter nach oben. Selten mal runter und wenn, ist der Wind mittlerweile so krass, dass ich nicht mal mehr bremsen muss.
Und der Wind wird noch stärker und die Anstiege schlimmer. Teilweise 17 bis 19 %.
Ich kann Viktor kaum den Berg hochschieben.
Eventuell hinterfrage ich hier mal wieder sämtliche Lebensentscheidungen.


Allerdings ist die Landschaft so schön, dass sich eine gewisse Akzeptanz einstellt. Auch als ich mal wieder sehr nah an einer Leitplanke lande, bringt mich das nicht mehr aus der Ruhe. Ich umfahre oder umtrage umgefallene Bäume und fahre mit einer Seite ausgeklickt und dem Fuß nah am Boden die Abfahrten herunter.
Mittlerweile bin ich Profi, was so krassen Wind angeht.
Nerven tut es mich trotzdem. Und es ist einfach nur kalt.
Ich denke immer an das schöne warme Bett und sage mir: Judy, du hast Zeit. Auch dieser Tag geht vorbei.
Am Ende des Tages muss ich mich noch durch 15 km krassen Stadt- beziehungsweise Landstraßenverkehr kämpfen. Plus den Gegenwind, der auf gerader Strecke noch schlimmer zu sein scheint.


Aber was wirklich schlimm ist, sind die Autofahrenden.
So lieb, gastfreundlich und hilfsbereit die Italiener sind — setzt sie hinter ein Steuer und sie werden alle zu geisteskranken Kamikaze-Fahrern.
Sowas habe ich noch nie erlebt und ich bin schon in sehr vielen europäischen Ländern mit dem Rad auf der Straße gewesen.
Aber irgendwann ist auch das geschafft.
Jetzt läuft die Waschmaschine, Essen ist gekocht und dann kuschel ich mich in dieses warme Bett.
Was für ein Tag.

98 km / 1600 hm
Ehrlicherweise waren die Höhenmeter alle auf den ersten 60 km … 

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