Tag 13 - 15 Bikepacking von Dresden nach Rom

Tag 13 - 15 
Campiglia Marittima nach Rom 

Nach viel Essen, Sonnenuntergängen am Meer, einer Glühwürmchenparade und natürlich viel Gelato war es an der Zeit, sich zu verabschieden.

Für mich geht es weiter nach Rom und für die Jungs zurück nach Hause.
Ich würde jetzt einfach mal behaupten: Wir waren alle ein bisschen traurig.

Aber ganz allein sollte ich noch nicht sein. Denn Adrien, den wir auf dem Trail kennengelernt haben, sollte mich noch ein Stück Richtung Rom begleiten.
Eine eigentlich entspannte Etappe bis Orbetello mit einigen Kaffeestopps und guten Gesprächen.
Eigentlich ...
Mein Gepäckträger war irgendwann der Meinung:
So, das reicht mir jetzt.
Und bricht.
Glück im Unglück.
Kurz vorher sind wir noch eine Abfahrt runtergeschossen und in dem Moment, als es passiert ist, gerade nur langsam unterwegs gewesen, weil wir den Abzweig verpasst hatten und umdrehen wollten.

Mein Schutzengel hat hier auf jeden Fall 100 % gegeben.

Adrien auch.

Denn in der Zeit, in der ich die Taschen abgebaut habe, hat er schon einen alten Besenstiel aus Metall gefunden.
Es wurde alles professionell mit Kabelbindern und Spanngurten fixiert und dann konnte es weitergehen.
Allerdings ohne Schotterstraßen, da wir uns nicht sicher waren, wie gut das Ganze hält.

Und dann begann die Odyssee.
Gesperrte Straßen, weggebaggerte Radwege, ein Stück auf einer vermeintlichen Autobahn ...
Schön ist definitiv anders.
Aber was will man machen?
Ich war auf jeden Fall sehr dankbar, nicht allein zu sein.
In Orbetello haben sich dann auch unsere Wege getrennt.

Es war schon 20 Uhr, als ich an einem Agriturismo vorbeikam, der noch einen Platz für mich und mein Zelt hatte.
Leider war das Restaurant wegen Sanierung geschlossen und weit und breit gab es auch keinen Supermarkt.
Es gab mal wieder Kekse zum Abendbrot.
Das habe ich leider auch am nächsten Morgen gespürt.
Mein Magen hatte gar keinen Bock und hat sich mit Krämpfen beschwert.

Es wurde auch nur mäßig besser, nachdem ich mir im nächsten Supermarkt Frühstück besorgt hatte.
Vielleicht war das auch schon die Ankündigung für einen Tag, den man sich hätte sparen können.
150 km bis Rom.
An stark befahrenen Straßen entlang.
Der Magen wurde irgendwann besser.
Die Straßen nicht.
Na ja.

Was soll man machen, wenn man es nicht ändern kann?
Musik auf die Ohren, einfach immer weiter treten und hoffen, dass die drei Zentimeter zwischen den Bussen, LKWs und mir ausreichend sind.
So zog sich der Tag hin.
Den Kopf voller Gedanken über die Reise und übers Ankommen.
Und irgendwie war es diesmal anders.
Sonst habe ich mich immer auf die unsichtbare Zielgerade gefreut.
Darauf, dass ich es geschafft habe.
Aber diesmal waren da irgendwie zwei weinende Augen, die nicht wahrhaben wollten, dass diese Reise zu Ende geht.
Ja.
Es war einfach wild.
Von Regen, Schnee und zwei Grad zu 36 Grad und viel Sonne.
Von Zugfahrten und Unwettern zu tollen Bekanntschaften und Geschichten.
Von erfolgreich vermiedenen FKK-Campingplätzen zu Sonnenuntergängen, Lachanfällen und viel Eis.
Es schwingt definitiv viel Wehmut mit, als ich mein Zelt zum letzten Mal kurz vor Rom auf- und wieder abbaue.
Zum letzten Mal das Chaos in die Taschen stopfe.

Und mit Viktor die letzte Fahrt antrete.
Rom ist laut, groß und voll.
Ein extremer Kontrast zu den letzten Wochen.

Ich schiebe mich mit den Menschenmassen am Petersdom, dem Trevi-Brunnen und dem Kolosseum vorbei.
Beeindruckend ist es auf jeden Fall.
Und ich kann mir vorstellen, dieser Stadt irgendwann noch mal eine Chance zu geben.
Aber jetzt, in diesem Moment, fühle ich mich eher ein wenig verloren.
Irgendwo zwischen dem Stolz, es geschafft zu haben, den schönen Erinnerungen an die letzten Wochen und dem Wunsch, einfach noch ein bisschen weiterzureisen.

Ich schaue noch einmal zurück zum Kolosseum, bevor ich mich mit Viktor auf den Weg zum Busbahnhof mache.

Um 21 Uhr geht es nach Hause. :::

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