Tuscany Trail
Tuscany Trail
5 Tage - Staub, Hitze und eine grandiose Zeit
Das klappt auch alles super. Viktor habe ich gestern schon ein bisschen abgespeckt. Ich werde eine Tasche mit allem, was ich nicht brauche, auf dem Zeltplatz lassen.
Aber bis man so fertig ist mit dem Zusammenpacken, das dauert trotzdem.
Ich rolle pünktlich um 7 Uhr Richtung Start und dort geht auch alles ganz fix.
Um 8 Uhr bin ich schon auf der Strecke.
Mein Plan ist es heute, bis zum zweiten Basecamp zu fahren. Das ist ungefähr bei Kilometer 130. Danach habe ich noch keinen Plan.
Einfach mal schauen, was wird.
Und das „einfach mal schauen“ ändert sich schon ziemlich schnell, als ich nach nicht mal zwei Stunden auf der Strecke Simon und Jan kennenlerne.
Wir fahren eine Weile zusammen, lachen unglaublich viel und finden, die Konstellation passt ganz gut.
Und die passt wirklich gut, denn wir werden den Tuscany Trail bis ins Ziel gemeinsam fahren.
Der erste Tag verläuft ziemlich entspannt. Ein paar Anstiege hat es, aber es geht doch viel an der Küste entlang, was bedeutet, dass die Distanz gut machbar ist.
Eins ist es aber jetzt schon:
Unglaublich schön.
Es gibt wirklich liebevoll gemachte Verpflegungspunkte, es geht durch kleine verschlafene Orte bis hin zum Basecamp.
Die Basecamps sind sehr einfach gehalten. Sportplätze mit manchmal Warmwasser. Aber das ist vollkommen ausreichend.
Die Nächte finde ich immer noch ziemlich kalt mit 10 bis 12 Grad. Dafür ist es tagsüber umso wärmer, oftmals um die 30 Grad.
Zum Glück gibt es wirklich überall Trinkbrunnen zum Wasserauffüllen.
Der zweite Tag soll definitiv härter werden. Viel mehr Höhenmeter, dafür weniger Strecke.
Ich merke, dass ich etwas platt bin und definitiv mein Tempo fahren muss.
Das klappt aber auch mit den Jungs ganz gut. Wir haben wie ein unsichtbares Gummiband zwischen uns und treffen uns immer mal wieder, um Eis zu essen oder Getränke aufzufüllen.
Es wird an dem Tag wirklich super heiß. Mein Körper ist das noch nicht ganz gewohnt und das Einzige, was für mich heute an Essen möglich ist, sind Eis und Cola.
Zumindest bis zum späten Mittagessen.
Da Jan und Simon schon ein Stück weiter vorne waren, haben sie bereits ein Restaurant rausgesucht.
Die Gemüselasagne war einfach fantastisch.
Und endlich funktioniert mein Körper auch wieder richtig und es geht auf zum nächsten Basecamp, in dem es heute sogar warmes Wasser gibt.
Man muss sich ja auch mal über die kleinen Dinge freuen.
Am dritten Tag geht es über die weißen Schotterstraßen der L’Eroica und der Strade Bianche.
Die L’Eroica fährt man sonst eigentlich mit historischen Rennrädern.
Aber ich muss sagen: Ich bin über Viktor ganz froh.
Für uns geht es weiter auf den Chianti Loop. Eine Erweiterung der normalen Strecke des Tuscany Trails mit zusätzlichen 100 km und 2000 Höhenmetern.
Leider gibt es auf der Strecke keine Basecamps.
Wir fahren soe natürlich trotzdem!
Irgendwas wird sich schon finden.
Und ja, es findet sich eine Wiese neben einem Tennisplatz, auf der wir unsere Zelte aufschlagen dürfen.
Rückblickend betrachtet war der Loop wirklich schön. Sehr anspruchsvoll, aber schön.
In dem Moment, als ich ihn gefahren bin, habe ich ihn allerdings etwas gehasst.
Es war heiß, staubig und diverse Abfahrten waren für mich einfach unfahrbar.
Das fällt dann wieder in die Kategorie Type-2-Fun.
Erst danach ist es cool.
Für den letzten Abend auf dem Trail hatten Simon und Jan ein Apartment auf dem Weingut Pietralta gebucht.
Und da ich jetzt anscheinend komplett zur Reisefamilie gehörte, durfte ich da auch mit.
Und hatte natürlich überhaupt nichts dagegen, mal wieder in den Genuss einer warmen Dusche und eines richtigen Bettes zu kommen.
Und das war noch nicht alles.
Wir hatten sogar noch richtig leckeres Essen mit Weinbegleitung.
Das war einfach richtig, richtig gut.
Nicht nur das Essen und der Wein, sondern auch die Gastfreundschaft und die Gespräche mit Franca und ihrem Sohn Stefano, die das Gut betreiben.
Nachdem der Abend auch etwas länger wurde, war ich am nächsten Morgen gut zerknautscht und wusste:
Heute wird noch mal eklig.
Aber im Grunde ging es eigentlich.
Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass jetzt sehr viel mehr Menschen auf dem Trail waren und mir war es teilweise auch ein bisschen zu viel.
Gerade nach dem Chianti Loop, wo es wirklich sehr ruhig war.
Es gab ein paar fiese Anstiege, aber diesmal auch viel Asphalt zwischendrin.
Ich möchte behaupten: vielleicht den größten Asphaltanteil der letzten Tage.
Nur die letzte Abfahrt ...
Diese 15 km ...
Leute, wirklich?
Musste das noch mal so eine bodenlose Rüttelpiste sein?
Ich war so sauer.
Das Ziel war schon so nah.
Und ja, gegebenenfalls war ich auch etwas kaputt.
Aber das ...
Irgemdwann hat auch das hatte ein Ende.
Sauer war ich trotzdem.
Nachdem ich dann noch einen letzten bösartigen Anstieg hochgeschoben habe — und zwar den zum Zeltplatz in Campiglia Marittima, 1,8 km mit so 10 bis 20 % Steigung, weil ich ja noch meine Tasche holen musste, die ich dort zwischengelagert hatte — durfte dann auch ich endlich ins Ziel einrollen, wo die Jungs schon auf mich gewartet haben.
Bisschen snacken, bisschen schnacken und dann hieß es:
Ab ans Meer.
Für zwei Tage in einem Bungalow.
Und erstmal alles sacken lassen.
Okay.
Und putzen.
Und waschen.
Und klarkommen.
Was für ein Ritt.
550 km / 8800 hm.

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